„Risiko“ von Dick Francis

Was wäre das allerschlimmste was einem zustoßen könnte? Von Unbekannten plötzlich betäubt, an einen fremden Ort verschleppt und ohne Angabe von Gründen für eine ungewisse Zeit festgehalten zu werden, gehört bestimmt in die Top Ten. Bereits innerhalb der ersten Seiten fühlt man mit Roland Britten, einem sehr sympathischen Wirtschaftsprüfer und Amateur-Jockey. Es gilt herauszufinden wer hinter dem Schlamassel steckt und so hartnäckig wie auch hinterhältig versucht ihn aus dem Weg zu schaffen.

„Ich brauchte beträchtliche Zeit, um zu begreifen, daß ich wirklich wach war. Nun ja, zumindest halb wach.“

Seite 5

Der Protagonist versucht verzweifelt durchzuhalten und dabei einen klaren Kopf zu bewahren sowie Richtige zu tun, sogar jenen gegenüber die genau das wahrscheinlich gar nicht verdient hätten. Hilfreich dabei sind ein paar wenige unterstützende Hände, die ihm ganz unverhofft und zufällig zu Hilfe eilen und schlussendlich maßgeblich den Ausgang der Geschichte beeinflussen.

„Weil dies keine Sache des Gehirns ist. Es geht darum die Nervenenden zu stimulieren. Zu fühlen, nicht zu denken. Wenn Sie die ganze Zeit daran denken, wer Sie sind. Wird Ihnen das vielleicht hinderlich sein.“

Seite 100

Achtung Spoiler

Neben der behandelten Wirtschaftskriminalität spielen auch die stark von einander abweichenden Beziehungen zu den beiden Frauen Miss Pinlock und Jossie eine wesentliche Rolle. Besonders gefallen hat mir wie Francis Dick es geschafft hat die Figur von Miss Pinlock abgesehen von einer etwas eigentümlichen Schuldirektorin auch zu einer sehr willensstarken und loyalen Freundin werden zu lassen. Ich hätte erwartet, dass sie und Roland Britten sich trotz mangelnder erotischer Anziehung erneut näherkommen würden und habe mich sehr gefreut als sich ganz im Gegenteil die Geschichte in eine andere Richtung entwickelte und mich daher richtig überraschen und herausfordern konnte. Dankbar bin ich dem Autor auch dafür, dass sich die begehrte Jossie nicht als (wie kurz von mir befürchtet) als Intrigantin und Komplizin ihres Vaters herausstellte, sondern genauso entsetzt und überrascht war über seine Taten wie Roland Britten. Der anständige Wirtschaftsprüfer hätte meiner Meinung nach einfach nicht noch ein Messer in den Rücken vertragen.

„Ich wollte es wissen. Es nicht zu wissen, schien mich nur gefährlicher Unsicherheit auszusetzen, so als stünde man hinter einem übellaunigen Pferd.“

Seite 103

Fazit

Francis Dick hat mit „Risiko“ einen wenig anspruchsvollen realistischen Kriminalroman geschaffen, der den Leser bereits auf den ersten Seiten fesselt und sehr angenehm zu lesen ist. Schnell konnte ich mich mit Roland Britten identifizieren und mich gemeinsam mit dem peniblen und korrekten Wirtschaftsprüfer über die Unverfrorenheit seiner Mitmenschen ärgern – am liebsten hätte ich mich in die Geschichte katapultiert und ihm als Assistentin bei seinem Kleinkrieg gegen Steuerbetrug tatkräftig unterstützt und Dokumente nach Ungereimtheiten durchforstet. Sogar gegenüber seinen Entführern, die bis zum bitteren Ende keinerlei Einsicht oder gar Reue zeigten und ihn während ihrer letzten Begegnung erneut demütigten und verletzten, bewies er den höchsten Grad an Fairness. Ein Buch – keine Ahnung ob Zufall oder sogar so beabsichtigt – das an Nächstenliebe erinnert und daran, dass selbst wenn einem Grausames passiert, das kein Anlass und keine Rechtfertigung sein darf, dem Schlechten im eigenen Selbst die Führung zu überlassen.

Der Roman bietet außerdem interessante Einblicke in den Rennsport, die vor allem einem Laien wie mir einen Eindruck vermitteln wie komplex die Beziehung zwischen den involvierten Personen wie Eigentümer, Sponsor, Trainier, Reittier und Amateurjockey sein kann und dass es oftmals nur Nuancen sind, die die große Enttäuschung oder den lang ersehnten Sieg ausmachen.

Mich, als ehemalige Wirtschaftsprüfungsassistentin, hat der Roman sehr gut unterhalten, allerdings stelle ich in Frage die Handlung auch für Nicht-Betriebswirte so fesselnd sein kann wie für mich mit meinem beruflichen Background. Allen Wirtschaftsinteressierten empfehle ich den Kriminalroman daher vorbehaltlos weiter und alle anderen Krimi-Fans müssen selbst entscheiden ob eine sehr gute Geschichte mit einigen Facetten der Steuerberatungs-/Wirtschaftsprüfungs-Branche unterhalten und gefallen könnte.

„Und sie haben ihn für die Zeit, die er ihnen gegeben hat, zahlen lassen, Er hat für jede einzelne Sekunde gezahlt…“

Seite 328

(verfasst von Simone)

Buchinformationen

 Francis Dick - "Risiko", Diogenes Verlag, 368 Seiten, ISBN-13: 978-3257231175 

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