„Children of Bood and Bone: Goldener Zorn“ von Tomi Adeyemi

Eine grausame Welt mit Menschen, die sich über andere erheben, sie unterdrücken um über ihr Schicksal zu entscheiden, sie zu entwürdigen und die versuchen ihnen endgültig ihre Magie zu entreißen, die für das versklavte magische Volk die Begründung ihrer Existenz darstellt.

Tomi Adeyemi verarbeitet in ihrer „Children-of-Blood-and-Bone-Reihe“ unter anderem ihre Trauer und Wut über die allgegenwärtigen Straßenkämpfe und ihre Todesopfer sowie die Ungerechtigkeiten und rassistischen Handlungen gegenüber farbigen Mitbürgern. Die von der Autorin geschaffene Welt spiegelt genau diese Themen wider. Gewalt und Unterdrückung sorgen in der Realität des Romanes für eine Klassifizierung von Menschen, deren Gruppierungen sich gegenseitig bekämpfen und fürchten – allerdings gänzlich ohne ausgeglichene Kräfteverhältnisse. Das Buch verliert bereits auf den ersten Seiten seine Unschuld und raubt dem Leser den Atem in Anbetracht einiger grausamer Schreckens-Szenen, die wirklich sehr zermürbend und bedrückend sind.

Tomi Adeyemis Romanwelt ist jedoch sehr vielseitig und weist, neben all der Gewalt und dem bitteren Geschmack von Unterdrückung, eine zauberhafte Form der Magie und faszinierende Protagonisten mit unerschütterlichem Kampfgeist auf. Die Autorin hat ein facettenreiches Umfeld mit verschiedensten Gottheiten und eine bunte Vielfalt von magischen Ausprägungsformen geschaffen, welche dem Fantasy-Herz alles (und noch mehr ;)) bietet wonach es sich sehnt.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann es anfing, doch ich merke es am stärksten an Baba. Er schaute mir nicht mehr in die Augen, konnte mich nicht mehr ansehen, ohne an seine ermordete Frau zu denken.“

Seite 29

Die Erzählung der Geschichte erfolgt aus den verschiedenen Perspektiven der drei Hauptcharaktere Zélie, Inan und seiner Schwester Amari. Ich finde den gewählten Erzählstil in Anbetracht der Handlung perfekt gewählt, nur auf diese Art und Weise kann sich der Leser tatsächlich in die Figuren denken und die Emotionen am ehesten nachvollziehen und -fühlen. Die Protagonisten sind in meinen Augen interessant gestaltet und divers. Diese durchlaufen eine interessante Entwicklung und Tomi Adeyemi ermöglicht somit facettenreiche Handlungsstränge und lässt ausreichend Spielraum für überraschende aber durchaus harmonische und plausible Wendungen.

Achtung Spoiler

Die Schilderungen über die brutale Tötung von Kindern oder sogar gesamten Familien sind besonders bewegend und versetzen den Leser in eine düstere Stimmung, die einer Welt voller Hass und Unterdrückung gerecht wird. Allem vorweg sind die immer wieder kehrenden detaillierten Beschreibungen der Ermordung von Zélies Mutter in der Blutnacht und dem darauffolgenden Zusammenbruch ihres eigenen Vaters hart an der Grenze des Erträglichen. Man wird förmlich in den Schmerz von Zélie gezogen und für einige Minuten und Seiten nicht mehr ausgelassen. In eine positivere Stimmung wird der Leser durch die anfängliche (wenn auch leider nicht sehr erfolgreiche) Liebesgeschichte zwischen Zélie und Inan versetzt. Trotz der grausamen Gegebenheiten sind die Hauptcharaktere noch im Stande Liebe, Anerkennung, Zusammenhalt, Fairness und Vergebung zu empfinden bzw. zu leben, was in meinen Augen die Qualität und den Erfolg der Story ausschlaggebend ist.

„Die Luft um uns summt, aufgeladen wie von unzähligen kleinen Blitzen. Das Gefühl ist stärker als das Kribbeln von Inans Fingerabdrücken auf meiner Haut, stärker als der Rausch, wenn das Pergament meine Haut berührt. Meine Fingerspitzen werden warm und beginnen zu strahlen. Während Lekan die Göttin anruft, fließt die Kraft durch meine Adern und lässt sie unter meiner Haut leuchten.“

Seite 205

Enorm beeindruckt hat mich aber primär die magische Welt Tomi Adeyemis. Neben allen anderen Fähigkeiten, ist Zélie (unter anderem) dazu im Stande tote Menschen wieder zu erwecken und Inan kann in Träumen wandeln und sogar fantastische Traumwelten selbst erschaffen. Die Autorin hat mich spätestens an diesen grandiosen Stellen und magischen Erklärungen im Buch von ihrem Einfallsreichtum überzeugt und es für mich auf die Liste der besten Fantasy-Autoren geschafft.

Fazit

Der erste Teil von „Children of Blood and Bone“ bringt alles mit was das Fantasy-Herz begehrt – eine (oder mehrere) Liebesgeschichte, epische Kämpfe, Magie und spannende Wendungen und etwas eigenwillige Charaktere. Tatsächlich überzeugt hat mich, dass sich „Goldener Zorn“ in mehrfacher Hinsicht von den letztjährigen Fantasy-Bestsellern abhebt, mutig verfasst ist und Neues und Unerwartetes bietet. „Goldener Zorn“ bedeutet nicht nur ein frisches Setting sondern auch einige überraschende Wendungen, die dem Leser ein wirklich spannendes Romanerlebnis ermöglichen und für Abwechslung sorgen.

„Im Tod überließen mir die anderen Geister in der Arena ihren Schmerz. Ihren Hass. In Ihren Erinnerungen fühlte ich das Stechen der Peitschenhiebe. Ich schmeckte das Salz ihrer Tränen.“

Seite 261

Der Roman kann im weiteren Sinne auch als politisch relevant bezeichnet werden, da Themen wie Unterdrückung und Rassismus im Fokus stehen und in mehrfacher Hinsicht behandelt werden. Tomi Adeyemis Werk ist als besondere Form der Aufarbeitung eigener Eindrücke und auch als Aufschrei einer mutigen und begabten (ursprünglich) nigerianischen Autorin zu verstehen.

Für mich persönlich bedeutet dieses Buch bzw. diese Buchreihe eine lang ersehnte Erweiterung des Fantasy-Marktes und eine wichtige sowie sehr spannende Geschichte, die für diverse Themen sensibilisiert. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung und bin gespannt wie Zélie die kommenden Herausforderungen bewältigen und sich aus den zu erwartenden Schamasseln (bei der Rettung der Magie und ihres Volkes) herausbugstieren wird. Für alle Fantasy-Fans ist „Goldener Zorn“ eine Pflicht-Lektüre und für alle Fantasy-Verächter oder -Newbies wirklich einen Lese-Versuch wert – gebt „Children of Blood and Bone“ bitte eine Chance, ihr werdet es ganz bestimmtn icht bereuen!

„Bevor ich den Gedanken zu Ende führen kann, werde ich von Schuldgefühlen überwältigt. Die Erinnerung an das Blut, das über die Schulter meines Bruders lief, zersprengt jede Hoffnung.“

Seite 455

PS: Ich finde, dass der Fantasy-Roman „Children of Blood and Bone – Goldener Zorn“ neben dem brisanten Inhalt auch ein optisches Highlight ist und sich richig gut im Regal macht 😉

(verfasst von Simone)

Buchinformationen

 Tomi Adeyemi - "Children of Blood and Bone - Goldener Zorn", FISCHER FJB, 624 Seiten, ISBN-13: 978-3841440297 

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