BuchWien 2019 – Literatur im Rampenlicht

Vom 06.bis 10.11 waren wieder 400 Aussteller aus 15 Nationen bei der Buch Wien vertreten, das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Da es unser erstes Mal auf einer Buchmesse war, waren wir im Vorfeld schon gespannt auf die besondere Atmosphäre. Also haben wir uns mit dem extra geräumigen Koffer und großen Erwartungen auf viele Geheimtipps auf den Weg gemacht.

Nachdem ich dieses Mal meine „Schau ma mal dann seh ma eh“ Mentalität durchsetzen konnte, haben wir uns komplett unvoreingenommen und mit wenig Vorplanung auf die Messe eingelassen und uns eher zufällig durch die Gänge treiben lassen. Dadurch konnten wir uns, neben ein paar Hoppalas, die zu jedem gelungenen Wochenendtrip gehören, einen guten ersten Eindruck der BuchWien verschaffen.

Erste Eindrücke

Bevor man es zu den einzelnen Verlags- und AutorInnen Ständen schafft muss man seine Einkaufslust zügeln, denn kurz nach dem Eingang warten bereits die einladenden Büchertische von Thalia auf viele kauffreudige Leser. Uns konnte man mit den verführerischen Angeboten vorerst nicht locken, dafür war die Vorfreude auf die Verlagsstände schon zu groß.

Sehr gespannt waren wir auf die großen Verlage wie diogenes, Pipper, dtv, um nur ein paar davon zu nennen. Ehrlich gesagt wurden wir dann jedoch etwas enttäuscht. Die Stände waren relativ klein und unspektakulär. Man hätte die Bücher um einiges spannender und kreativer in Szene setzen können. Auch die etwas lieblos ausgesuchte Buchauswahl konnte nicht restlos überzeugen, da man hier fast ausschließlich auf Neuerscheinungen gesetzt hat, die man bereits von den Buchhandlungen unseres Vertrauens gut kennt. Ich hätte mich eher über den einen oder anderen Geheimtipp gefreut, auch wenn die neuen Ausgaben verständlicherweise nicht fehlen dürfen.  

Vielmehr konnte unser Bücher Herz von den unbekannten Verlagen erobert werden. Man sollte sich also nicht auf die Größen der Buchbranche versteifen, denn es waren die Seitenblicke zu den kleineren Verlagen und Selfpublisher, die uns in diesem Rahmen mehr überzeugen konnten.

Der einladende Stand vom Lesemagazin Katapult hat sich von seiner innovativen und schrägen Seite gezeigt. Über das Buch „100 Karten die deine Sicht auf die Welt verändern“ haben wir bereits geschrieben. Bisher unbekannt waren mir die verschiedenen Magazine, die 4-mal im Jahr erscheinen. Die Beiträge sind wissenschaftlich, frech und kreativ und schaffen den Spagat, komplexe Themen auf eine spannende Art zu visualisieren. Die Kreativität merkt man schon bei Betreten des Standes, der gut gefüllt ist mit den bisher erschienen Magazinen und ausgefallenen Postkarten. Sofort werden wir von einer Mitarbeiterin in ein Gespräch verwickelt und haben den Stand, um gleich 4 Magazine reicher, verlassen. Es war die aufgeschlossenste und netteste Begegnung mit Verlagshäusern an diesem Tag.

Ein weiterer Lichtblick waren die „grünen“ Bücher vom Verlag Matabooks. Hier werden nachhaltige Bücher aus Graspapier hergestellt. Die Bücher waren nicht nur wegen dem Layout und dem heuähnlichen Geruch speziell, auch die Stories klingen spannend. Wir haben uns ein Exemplar geschnappt und sind schon gespannt auf den Inhalt. (Mit Klick auf´s Bild kommt ihr zur Website von Matabooks)

Was gibt es entspannenderes als ein gutes Buch, im besten Falle in Begleitung eines guten Rotweins, in der Badewanne zu lesen – Edition Wannenbuch, hat genau dafür das wasserfeste Buch herausgegeben. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben den 15-Minuten-Krimi „Der Feind auf meiner Couch“ mitgenommen. Eine lustige Idee, ganz nach unserem Geschmack. Die kleinen Bücher eignen sich auch gut als kleines Geschenk. (Mit Klick auf´s Bild kommt ihr zur Website von Wannenbuch)

Zuguterletzt sind die skandinavischen Krimiautoren von den Beststellerslisten nicht mehr wegzudenken. Positiv aufgefallen ist uns in diesem Zusammenhang der eindrucksvolle Stand von Blickpunkt Norden. Die gutbestückten Regale und gemütlichen Leseecken aus Holz haben zum Verweilen und Schmökern eingeladen und die nordischen Krimiautoren perfekt in Szene gesetzt.

persönliche Highlights

Die Krönung der Buchmesse waren für uns aber eindeutig die einzelnen Lesungen. Im Mittelpunkt standen hier Neuerscheinungen. In den spannenden Diskussionen, die von den Moderatoren sehr souverän geführt wurden, (bei manchen Autoren nicht immer eine leichte Aufgabe) wurde gerade so viel verraten, dass der Zuhörer von Neugier getrieben, gleich ein signiertes Exemplar mitgenommen hat.  Leider gab es bei den Terminen einige Überschneidungen, somit haben wir es nicht geschafft, alle für uns interessanten Lesungen zu hören.

Ein paar Highlights aus dem Programm:

Vea Kaiser – “Rückwärtswalzer”

Tobias Moretti – “Jedermann”

Egyd Gstättner: “Mein Leben als Hofnarr “

Andrej Kurkow – “Graue Bienen“

Als Stefan Verra Fan etwas voreingenommen, war ich natürlich begeistert von seiner Lesung aus „Leithammel sind auch nur Menschen“. Innerhalb weniger Sekunden hat er das Publikum, wie immer, sofort in seinen Bann gezogen und in kürzester Zeit auf unverkennbare humorvolle Art Körpersprache gelehrt. Obwohl mich der Buchtitel bis dahin nicht sehr angesprochen hat, haben wir uns beide gleich ein signiertes Buch gesichert.

Sehr aufschlussreich war auch die relativ kurze Buchpräsentation von Norbert Gstrein, Preisträger des Österreichischen Buchpreises 2019 zu seinem Buch „Als ich jung war“. Über den etwas unzulänglichen Inhalt des Buches habe ich lange gegrübelt. Die Rätsel werden sich wohl erst nach dem Lesen endgültig lösen.

Fazit

Wir haben die BuchWien mit halbleeren Taschen und um einige Erkenntnisse reicher verlassen. Das nächste Mal würden wir das Messegelände mit anderen Erwartungen betreten und das Hauptaugenmerk auf die Lesungen und Diskussionen der Autoren richten. Nur auf Buchmessen hat man die Chance, so viele namhafte Autoren auf einen Schlag live zu erleben. Diese konnten das Ruder bei diesem Besuch noch herumreißen und haben unseren Messebesuch zu einem sehr positiven Erlebnis gemacht. Sollten wir es wieder auf diese Messe schaffen, würden wir den Aufenthalt auf jeden Fall akribisch planen, um das Lesungsangebot komplett auszuschöpfen.

Wir waren uns bewusst, dass die BuchWien im Vergleich zu Größen wie Frankfurt und Leipzig eher überschaubar ist, in Summe hat uns aber auch der Charme und die Kreativität einer kleinen Messe gefehlt. Österreich hat bezüglich Außergewöhnlichkeit und Angebot neben den Messegrößen noch Aufholbedarf. Weiterempfehlen können wir die Buchmesse trotzdem, auch deshalb, weil Wien immer wieder einen Kurzbesuch wert ist.

(verfasst von Manuela)

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