„Der Fürst des Nebels“ von Carlos Ruiz Zafón

Max und seine Schwester ahnen nichts Böses als sie gemeinsam mit ihren Eltern an den einen hübschen Ort am Meer niederlassen um dem Krieg zu entfliehen. Binnen kürzester Zeit macht sich jedoch die Präsenz dunkler Mächte bemerkbar und die Zusammenhänge zu dem tragischen Tod eines Jungen, der vor Jahren im Meer ertrunken ist, lassen sich kaum mehr leugnen. Das Geheimnis des Ortes und der dort lebenden Menschen bringt alle Beteiligten in große Gefahr…

Die Geschichte spielt zu Beginn des zweiten Weltkrieges in einem beschaulichen kleinen Ort, der direkt am Meer liegt. Die Protagonisten des Romans können als glaubhaft und lebensah bezeichnet werden. Besonders sympathisch ist Max, der nicht nur als sehr mutig sondern auch als empathisch und klug dargestellt wird und sehr auf das Wohlergehen seines neu gewonnenen Freundes und seiner Familie bedacht ist. Ergreifend ist die besondere Bindung und Zuneinung der beiden Geschwister Max und Alicia zu einander. Der sogenannte „Fürst des Nebels“ wird seiner Rolle als böser Magier mehr als gerecht. Er ist sowohl skrupel- als auch erbarmungslos wenn er den Menschen in schwachen Momenten ihre sehnlichsten Wünsche erfüllt um als Gegenleistung Unvorstellbares zu fordern. Auch der verschrobene Leuchtturmwärter und der offenherzige Roland, welcher bei ihm lebt, wurden von Carlos Ruiz Zafón in mehrfacher Hinsicht schlüssig und rund gestaltet und fügen sich perfekt in Handlung und Stimmung ein.

„Die Kate öffnet ihr Maul und stieß ein tiefes, beängstigendes Fauchen aus, wie eine Schlange, um dann wieder in die Dunkelheit zu verschwinden, als folge se ihrem Herrn. Ein Grinsen flammte im Dunkeln auf, und zwei golden glühende Augen richteten sich auf Irina, während die Stimmen wie aus einer Kehle ihren Namen riefen.“

Seite 91

Achtung Spoiler

Dass ich meistens eine große Schwäche für die Bösewichte in Geschichten habe, ist kein Geheimnis. Daher überrascht es nicht, dass es mir allen voran der Nebelfürst selbst sehr angetan hat. Hervorzuheben ist seine ganz besondere Aura und Skrupellosigkeit und sein dazu passendes unheimliches Grinsen auf den Lippen hat, das allen Beteiligten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die teuflischen Pläne des Fürsten sind grandios. Er packt die Menschen immer bei ihren sehnlichsten Herzenswünschen um auf diese Art die größten Kostbarkeiten, wie schlussendlich beispielsweise den eigenen Sohn, zu fordern.

Das Ende des Buches ist sehr dramatisch und fesselnd und ich bin positiv überrascht, dass es sich um kein Happy End handelt. Anschließend an einen wilden Kampf mit dem Nebelfürsten höchstpersönlich, sieht sich Roman in einer ausweglosen Situation. Gefangen in Mitten eines Schiffswracks ist Roman gezwungen sich selbst zu opfern um Alicia, zu der der junge Mann gerade eine zarte Liebe entwickelte, zu retten. Schlussendlich ertrinkt jener Junge, der dem Fürsten des Nebels so viele Jahre zu vor als Gegenleistung von seinem Vater versprochen wurde und gelangt doch in die Fänge der dunklen Macht.

„Cain war ein junger, gutaussehender Mann, dessen Herkunft niemand erklären konnte. Jede Nacht versammelte Cain in irgendeiner Gasse des Viertels die zerlumpten, vom Schmutz und Ruß der Fabriken bedeckten Kinder um sich und schlug ihnen einen Pakt vor.“

Seite 118

Fazit

Dieses wunderschöne Buch der Fischer TaschenBibliothek habe ich mir spontan in einem Buchladen am Flughafen besorgt und mich vor Lesebeginn gar nicht mit dem Inhalt (auch nicht mit dem Klappentext) beschäftigt und ließ mich überraschen. Es handelte sich um einen ausschließlichen an der Optik orientierten Cover-Kauf. Ich begann zu lesen und erwartete nach den ersten Seiten einen ansprechenden Roman über eine vierköpfige Familie in schöner Sprache mit symphatischen Protagonisten. Als sich die Geschichte jedoch in eine (für mich) völlig unerwartete Richtung entwickelte und immer unheimlicher wurde, war ich gänzlich eingenommen von der zunehmenden Spannung und neugierig auf den weiteren Verlauf. Zugegeben – die eine oder andere Wendung ist etwas vorhersehbar und hätte eventuell raffinierter verpackt oder weniger offensichtlich aufgebaut werden können, schlussendlich mindert dies aber in meinen Augen weder Qualität noch Spannung des Romans.

„Der Fürst des Nebels“ ist der Debütroman des Beststellerautors Carlos Ruiz Zafón, der für seine Leser auf Basis einer soliden und gut durchdachten Geschichte einen Gruselroman auf hohem Niveau schuf. Ein sehr stimmungsvolles Buch mit einer mystischen und ergreifenden Atmosphäre und genau dem richtigen Touch von Unheimlichkeiten und Spannung.

„Max kniff die Augen zusammen, um besser zu sehen, was dort undeutlich in dem dunklen Schrank zu erahnen war, und beobachtete, wie sich eine weiß behandschuhte Hand aus der Dunkelheit löste. Sie hielt einen glänzenden Gegenstand in der Hand, der an einer Kette baumelte. Max ahnte, was nun kam: Doktor Cain stieg aus dem Kleiderschrank und lächelte in die Kamera.“

Seite 189

PS: ich habe mich unendlich in die Fischer TaschenBiblioithek verliebt – das Format hat die perfekte Größe und ein geringes Gewicht, daher eigenen sich diese Bücher optimal zum Mitnehmen und Einstecken. Ein zusätzliches „Zuckerl“ ist die Aufmachung aus schimmernden Material 😉

(verfasst von Simone)

Buchinformationen

Carlos Ruiz Zafón - "Der Fürst des Nebels", Fischer TaschenBibliothek, 236 Seiten, ISBN 978-3596521319

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