„Das Evangelium der Aale“ – von Patrik Svensson

Zugegeben zum Kauf dieses Buches hat es schon die Überzeugungskraft von drei Bücherwürmern gebraucht. Letzten Endes hat es mich aber sehr gut unterhalten. Wenn man diese Lektüre liest, sollte man sich vorher bewusst sein, dass der Aal und seine Geschichte die Hauptrolle spielt und das Buch somit eher in die Kategorie Sachbuch einzuordnen ist.  

Svensson nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise in seine Kindheit und erzählt über die Bindung zu seinem Vater und dessen Leidenschaft das Aalfischen. Wir erfahren, dass die Bindung der beiden in diesen stillen Momenten, umgeben von der Natur, immer am stärksten war. Und es geht vor allem um die geheimnisvolle Geschichte des Aals, welche bekannte Wissenschaftler wie Aristoteles oder Freud an den Rand der Verzweiflung getrieben hat. Bis heute haben wir es noch nicht geschafft, die ganze Komplexität der Natur und dieses Lebewesens zu erfassen.

Ich persönlich bin kein großer Fan von Nature Writing, auch wenn diese Kategorie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Trotzdem konnte ich dem Buch einiges abgewinnen. Beschreiben würde ich es, als eine spannende Kombination aus Literatur, Naturgeschichte und Naturphilosophie gepaart mit persönlichen Erlebnissen eines Heranwachsenden und dessen Suche nach Antworten. 

„Wenn man nicht weiß, woher man kommt, kann man auch nicht wissen, wohin man geht.“

Seite 238

Der Autor schreibt mit viel Eleganz und einfacher, bildhafter Sprache. Durch seinen Enthusiasmus für dieses geheimnisvolle Lebewesen wurde ich in die Geschichte gesogen und konnte nicht anders als diese erwartungsvoll zu Ende zu lesen. Bildlich habe ich mir vorgestellt wie Freud in seinem muffeligen Büro in Triest sitzt und sich über diesen schleimigen Fisch den Kopf zerbricht. Dieses Wesen hat es vielleicht sogar geschafft, die Weichen für Freuds zukünftige Laufbahn zu stellen.

Dazu gelernt habe ich nahezu mit jeder Seite. Zum Beispiel, dass Aale beeindruckende Kreaturen sind, die einen bemerkenswerten Lebensweg hinter sich legen. Dabei scheint ihnen keine Hürde unmöglich. Sogar kleinere Abschnitte an Land bestreiten sie, um irgendwann wieder zu ihrer Geburtsstätte zurückzukehren.  Besonders spannend ist die Art, wie es diese Tiere schaffen sich unserem Wissen zu entziehen und bemerkenswerte Wissenschaftler lange Zeit vor ein Rätsel stellten.

FAZIT

Die Kombination aus Sachbuch und Erlebten haben mich neugierig gemacht, auf Aale und die kleinen philosophischen Messages, die der Autor in dieser Lektüre versteckt hat. Alles in allem hat mich das Buch gut unterhalten, aber auch ich hatte falsche Erwartungen und habe mir eine stärkere Tendenz zur Geschichte erwartet.

Warum sollte man das Buch dennoch lesen? Weil es verdeutlicht, wie wertvoll jedes noch so hässliche oder augenscheinlich unbedeutende Wesen innerhalb des großen Ganzen ist. Darüber hinaus schaffte es der Autor mit seiner herausragenden Schreibweise und seiner mitreißenden Leidenschaft, mein Interesse für diese Tiere zu wecken.

(verfasst von Manuela)

Buchinformationen

Patrik Svensson – „Das Evangelium der Aale“, Carl Hanser Verlag, 256 Seiten, ISBN: 978-3446265844

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