„Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe“ von Liv Strömquist

Fragen über die Liebe und die weiblichen Geschlechtsorgane werden in diesem Buch in rasanten, schwarzweißen Bildergeschichten auf humorvolle, sarkastische und plakative Weise in Szene gesetzt. Die Autorin versteht es Feminismus etwas anders zu erklären. Die Comics der Autorin berühren und provozieren. Wir haben das Buch als Rezensionsexemplar erhalten. In dieser Ausgabe sind beide Teile (Der Ursprung der Welt und Der Ursprung der Liebe) enthalten.

„Der Ursprung der Welt“

Feministische Bücher standen bislang zugegebenermaßen nicht auf meiner Leseliste. Die schwedische Comic-Künstlerin Liv Strömquist vermittelt dieses Wissen jedoch auf eine witzige pointierte Weise. In diesem Comic zeichnete sie die Geschichte der weiblichen Geschlechtsorgane angefangen von absurden biblischen Hintergründen, Theorien aus Religion und Wissenschaft, wie Fehldeutungen Freuds, falschen Aussagen im Biologieunterricht bis hin zur aktuellen Tamponwerbung. Strömquist beschreibt warum der Unterschied zwischen Vulva und Vagina nicht irrelevant ist und führt uns unsere Hemmungen gegenüber Themen wie Sexualität und Menstruation vor Augen.

Der Band ist umfassend recherchiert und erzählt von der Unterdrückung weiblicher Sexualität. Ich habe beim Lesen einiges dazu gelernt und bereits Bekanntes wurde in ungewöhnlichen Zusammenhängen  dargestellt. Durch diesen Perspektivenwechsel wird der Leser zum Umdenken angeregt und einige Aha- Momente erzeugt.

„Der Ursprung der Liebe“

Eingeleitet wird dieser Teil durch vier der bekanntesten Comedians: Tim Allen, Jerry Seinfeld, Ray Romano und Charlie Sheen. Diese verdienen Millionen mit immer gleichen Witzen rund um das Klischee „Frauen wollen nur reden“, „Männer wollen Sex“. Liv Strömquist deckt in diesem Comic auf humorvolle Weise spannende Theorien der Geschlechterverhältnisse auf.

Warum rennen Frauen komplizierten und  Männern mit abgekühlten Verhaltensweisen hinterher? Warum leben Männer nicht alleine, wenn sie doch ständig um ihre Unabhängigkeit bemüht sind? Was hat Treue mit Liebe zu tun? Warum gibt es nur – das Entweder für immer verliebt und auf ewig gebunden oder ein für immer getrennt – Kontaktabbruch inklusive?

Die Worte „Ich liebe dich nicht mehr“ auszusprechen, kann eine lange Zusammenarbeit in vielen unterschiedlichen Bereichen sehr abrupt beenden. Es ist wie eine Art Zauberspruch, der einen unmittelbar und endgültig aus der Paarbeziehung löst.“

Seite 267

Warum sehen wir unseren Partner als exklusives Eigentum, wie es uns laufend suggeriert wird? Diese Fragen beantwortet die Autorin in diesem Comic untermalt von Beispielen mit bekannten Persönlichkeiten wie Britney Spears, Whitney Houston und Prinzessin Diana. Warum will die selbstbewusste und unabhängige Carrie aus Sex and the City genau den emotional unzugänglichen Mr. Big? Weil auch wir Frauen oft unterbewusst unabhängig von Liebesbeziehungen leben wollen. Die Beispiele treffen den Nagel auf den Kopf.

Nicht immer wurde die Suche nach  „der einzig wahren Liebe“ derart in den Fokus gerückt. Wir würden uns das Leben ohne diese heteronormativen Schranken und gesellschaftlichen Normen über – was in einer Beziehung erlaubt ist und was nicht – frei von jeglichen Besitzdenken, einfacher machen.

„Nachdem die Liebesheirat eingeführt wurde, betrachtete man das sexuelle Eigentumsrecht als einen Teil der Liebe.“

Auch ungesunde Beziehungsmodelle werden von der Autorin aufgegriffen. So erfahren wir warum wir an gescheiterten Beziehungen festhalten und dass „Hass“ die selbe Hirnregion aktiviert wie das „Verliebt Sein“.

Am Ende bleibt die Autorin trotzdem noch romantisch und hat trotz allem einen hoffnungsvollen, offenherzigen Blick auf die Liebe.

Fazit

In diesem Comic beschreibt die Autorin Alltagsphänomene, Ansichten von berühmten Psychologen wie Freud und Beziehungen öffentlich inszenierter Paare wie Prinz Charles und Diana und hält uns mit einem Augenzwinkern vorherrschende, eingebürgerte Sichtweisen (Männer wollen Sex, Frauen die große Liebe) vor Augen. Die einzelnen Zeichnungen und Sprechblasen bringen die Themen auf den Punkt. Ich musste einige Male laut auflachen. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass es keines dieser klassischen Sachbücher oder Bücher über Feminismus ist, sondern die angesprochenen Themen auf diese ganz besonders scharfsinnige Art pointiert benennt. Besonders der Teil „der Ursprung der Welt“ hat mir meine persönliche Unwissenheit vor Augen geführt. Das Buch hat mich insgesamt sehr gut unterhalten und aufgeklärt. Ich freue mich auf weitere unterhaltsame Literatur dieser Autorin. Dieses Kunstwerk ist auch eine unbedingte Empfehlung für alle Nicht-Comic Fans und Nicht-Feministen.

(verfasst von Manuela)

-> dieser Titel wurde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – Danke an den avant-verlag

Buchinformationen

Liv Strömquist - "Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe" - avant-verlag , 279 Seiten, ISBN: 978-3964450036

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