„Sleeping Beauties“ von Stephen King, Owen King

Ein faszinierendes Phänomen erschüttert die Einwohner von Appalachen – auf schlafenden Frauen bildet sich eine spinnwebenartige Substanz, die schlussendlich einen Kokon um den gesamten Körper bildet. Die zahlreichen Versuche das skurrile Gewebe zu entfernen fordern einige Opfer, den die Frauen mutieren zu tötenden Bestien. Das Städtchen befindet sich im Ausnahmezustand und konsequenten Kampf gegen den Schlaf. Mitten in all der Verzweiflung und der Suche nach einer Lösung, taucht eine mysteriöse Frau auf, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Nichts desto trotz ist sich weder die männliche Bevölkerung noch die Gruppe der Frauen auf der anderen Seite einig, ob es sich bei den Kokons um Fluch oder Segen handelt.

Die Geschehnisse in „Sleeping Beauties“ spielen sich an drei Schauplätzen ab – einerseits in dem Örtchen Appalachen, im Frauengefängnis der Stadt und „auf der anderen Seite“. Als Protagonisten wurden vielseitige typisch amerikanische Charaktere gewählt. Die toughe Polizistin, die schlussendlich doch nicht mehr gegen ihre allumfassende Müdigkeit ankämpfen kann, die brutale Mörderin, die im Gefängnis einsitzt und der faszinierenden Evie verfällt und beispielsweise der Vater einer Tochter mit massivem Aggressinsproblem, der in dieser besonderen Ausnahme-Gesellschaft eine tragende Rolle übernimmt.

„Die meisten Frauen sind eingeschlafen und wachen einfach nicht wieder auf“ sagte der Pfleger mit seiner finster verzerrten Stimme. „Es ist genau wie auf Hawaii.“

„Und die Männer…?“

„Denen geht´s bestens. Die sind alle wach und sitzen beim Frühstück.“

Seite 83

Achtung Spoiler

Zu der brisanten Stimmung des Buches und der großen Unklarheit über den Aufenhaltsort der verpuppten Frauen und dem großen Mysterium über Evie, die einige der Männer aus Angst eher töten als anhören wollen, passen die Ausführungen zu den Tieren perfekt. Evie scheint eine Art Göttin zu sein und ist allwissend und eindeutig auf der Seite der Frauen. Sie kommuniziert mit der Tierwelt und setzt die Lebenwesen gezielt für ihre Zwecke ein. Evie befehligt beispielsweise die Ratten im Frauengefängnis sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Omnipräsent ist in „Sleeping Beauties“ das Thema der Gewalt gegen und natürlich die Unterdrückung von Frauen. Teilweise ist es schockierend zu lesen was diverse Männer mit den in den Kokons wehrlosen Frauen anstellen.

„Moment, Moment, Moment“, sagte Rand Quigley, nachdem Clint alles zum zweiten Mal vorgetragen hatte. „Heißt das, sie wird das Ende der Welt heraufbeschwören, wenn wir sie der Polizei ausliefern?“

Seite 629

Fazit

Stephen und Owen King realisierten eine skurrile und andersartige Idee für einen Thriller, die den Leser fasziniert und in einen Zustand von krankhafter Faszination und Neugierde versetzt. Typisch für den King of Horror ist der beträchtliche Umfang des Buches – auch als Viel-Leserin hatte ich großen Respekt vor dem (fast) Tausendseiter. Leider ist eine meiner größten Befürchtungen eingetroffen – die Story wird im zweiten Drittel langatmig und einige Handlungsstränge hätten mit dem Ziel einer konstanteren Spannung nach ausgespart werden können. Einige große King-Fans sind seinen neuen Werken gegenüber etwas skeptisch und in diesem Fall muss ich leider zustimmen – gute Story und tolles Setting aber die Umsetzung ist etwas kompliziert, verworren und die Handlung zu weit ausgereizt.

Betont werden müssen an dieser Stelle aber das interessante Rundherum dieser (wie ich sie bei King gerne nenne) „skurrilen Psychostory“. ich war an einigen Stellen so neugierig auf die Auflösung, dass ich einige Stunden am Stück weiterlesen musste. Mein Fazit ist daher, dass es sich nicht um Stephen King´s bestes Buch handelt, aber um eine durchaus interessante, spannende und lesenswerte Lektüre (sowie auch sehr befremdliche Story und Thematik).

„Er hob de Waffe, um abermals abzudrücken. Die Leute ringsum wichen zurück. Ein Mann, der ein schlafendes kleines Mädchen in einem Cordstrampler auf den Armen trug, stolperte über die ausgestreckten Beine der an der Wand hockenden Frau. Er warf die Hände nach vorn, um sich vor dem Sturz zu schützen, und ließ dabei das Kind los, das mit einem dumpfen Schlag auf dem Boden landete.“

Seite 260

(verfasst von Simone)

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Buchinformationen

Stephen King, Owen King - "Sleeping Beauties", Heyne Verlag, 960 Seiten, ISBN-13: 978-3453271449

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