„LIEBESKIND“ von Romy Hausmann

Studentin (23) in München vermisst.

Lena findet sich in einer einsamen Hütte im Wald wieder. Nun hat sie zwei Kinder und einen Mann. Das Leben, das sie seitdem führt ist durch strenge Regeln geprägt.

Die  Hütte ist komplett von der Außenwelt isoliert, die Fenster und Türen sind dicht verschlossen. Es tritt kein Sonnenlicht ins Innere des Wohnraums, die Sauerstoffversorgung wird durch einen Zirkulationsapparat geregelt. Der Vater kümmert sich um die Einkäufe und sorgt dafür, dass die Kinder wohl behütet, umsorgt von einer liebevollen Mutter, aufwachsen. Er liebt seine Kinder und beschützt sie vor allen Gefahren von außen. Ein Autounfall scheint alles zu ändern. Es sieht so aus, als ob sich der Fall der vermissten Lena endlich auflöst, doch der Schrecken nimmt kein Ende und die eigentliche Geschichte beginnt – rückblickend offenbaren sich die bisherigen Erlebnisse.

„Er macht den Tag und die Nacht. Wie Gott“

Seite 11

Achtung Spoiler

Der Roman wird aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt. Durch diese Erzählweise hat die Autorin eine besonders beklemmende Atmosphäre geschaffen. Man fühlt förmlich die Bedrohung, die von dem Vater und der beengten Situation in der Hütte ausgeht.

Es fällt manchmal schwer, Sympathie für die Charaktere zu entwickeln. Jasmin handelt für mein Empfinden oft zu zaghaft. Nach dem Unfall ist die Frau schwer traumatisiert und behält die Wahrheit lange Zeit für sich.  Die Rolle der kleinen Hanna ist befremdlich, fast schon verstörend. Dem 13-jährigen Mädchen sind das Leben in der Hütte, das fehlende Tageslicht sowie die Erlebnisse deutlich anzumerken. Es fehlt ihr jegliches Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen, wenngleich sie überdurchschnittlich intelligent zu sein scheint. Die Reaktion ihres kleinen Bruders kann man eher nachvollziehen, er reagiert auf die Geschehnisse angemessen und trägt schwere psychische Folgen davon. Die Selbstverständlichkeit mit der die Kinder das Leben in der Hütte als Normalität annehmen ist beklemmend. Nur aus Erzählungen der Mutter kennen sie die Welt von außen und kreieren, basierend auf diesen, ihre eigene kleine Umgebung. Das kleine Mädchen beschreibt diese „Außenwelt“ bis ins kleinste Detail, von den Ausflügen mit ihrer Mutter zu einer Gartenparty, von der lebhaften Katze, den Fahrten in die Stadt.  Dies erzeugt beim Leser ein ständiges Grübeln, wie denn diese Ausflüchte möglich sind, ohne dass sie vom Vater entdeckt und bestraft werden.  Bis man schließlich entsetzt feststellen muss, dass die Traumwelten von Lena gesponnen wurden, um die Geschwister an den wunderbaren Eindrücken teilhaben zu lassen und das Dasein in dem tristen Zuhause so normal wie möglich zu gestalten.

Eine tragende Rolle spielt auch der Vater von Lena, der den Verlust des Mädchens nie verarbeiten konnte und nicht aufgegeben hat, sie zu suchen. In seiner Enkelin erkennt er seine Tochter auf Anhieb wieder und versucht die Lücke, die die verschwundene Lena hinterlassen hat, durch Hanna zu kompensieren.

Die Story wird rückblickend ausgehend vom Autounfall und dem „Entkommen“ erzählt, der mutmaßliche Entführer wird tot in der Hütte aufgefunden. Der kleine Sohn sitzt verstört neben ihm. Wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits eine Auflösung der Geschichte vermutet, wird man schnell vom Gegenteil überzeugt. Romy Hausmann hat die Figuren und deren Beziehungen zueinander so geschickt miteinander verzettelt, dass man bis zum Ende im Dunkeln tappt.  Durch das eigenartige Verhalten der kleinen Hannah und dem letztlich erneuten Auftauchen des Vaters bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht.

Fazit

Dieser Roman zieht den Leser von den ersten Seiten an in seinen Bann und ich habe selten einen Thriller in so kurzer Zeit fertig gelesen. Immer wenn man sich gedanklich dem möglichen Ausgang der Geschichte hingibt, wird man aufs Neue durch eine überaschende Wendung eines besseren belehrt. Nach und nach kommen weitere erschütternde Einzelheiten ans Tageslicht. Dabei schafft es Romy Hausmann durch ihren Erzählstil ein durchgängig beklemmendes Gefühl zu schaffen.

(verfasst von Manuela)

Buchinformationen

Romy Hausmann - "Liebeskind", dtv Verlag, 432 Seiten, ISBN-13: 978-3-423-26229-3

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