„Neun Fremde“ von Liane Moriarty

Gerade, als ich den Sinn des Lebens gefunden hatte, haben sie ihn geändert“.

Vorwort

Tranquillum House, ein Wellnessresort der etwas anderen Art. Fünf Frauen und vier Männer  mit unterschiedlichen Lebenskrisen treffen hier aufeinander, um sich ihren Problemen zu stellen und werden auf ganz ungewöhnliche Weise mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Als Leser lernt man nach und nach die Teilnehmer von Tranquillum House kennen.

Alle neuen Gäste besuchen das Resort mit dem Ziel, dieses als komplett anderen Menschen zu verlassen. Die Bewertungen auf jeglichen Internetportalen ist vielversprechend, die Kandidaten jedoch durchwegs skeptisch. Der Wellnessaufenthalt beginnt mit einem mehrtätigen Schweigegebot. Der Leser gewinnt dadurch einen tiefen Einblick in das Innenleben der Charaktere und deren Beweggründe diesen Aufenthalt zu buchen. Die Geschichte wird aus der Perspektive der neun Personen erzählt, dadurch  kann ich mich schnell mit ihnen identifizieren und lerne sie im Verlauf der Geschichte immer besser kennen.

Achtung Spoiler

Alle Neun verbindet, dass sie mit ihrem Leben unzufrieden, an einem bestimmten Abschnitt sogar gescheitert sind.  Die Autorin hat es an dieser Stelle sehr gut geschafft, die Besonderheiten der Protagonisten und ihre bisherigen Vorgeschichten hervorzuheben. Die Bandbreite reicht von der Schriftstellerin in den Wechseljahren, Frauen mit Essstörungen, dem ausgedienten Sportler, Männern mit Bindungsproblemen bis hin zur, von Schönheitsoperationen fast schon entstellten, Klischeeblondine. Man kann sich durchaus mit dem einen oder anderen Schicksal identifizieren. An dieser Stelle hätte ich mir jedoch mehr Besonderheit der Personen und weniger Stereotypen gewünscht.  Die detaillierte Zeichnung der Charaktere  und deren Vergangenheit stehen im Mittelpunkt des Buches. Ein Hauptaugenmerk wird auch auf die Leiterin des Resorts gelegt. Masha ist das Paradebeispiel eines gesunden, erfolgreichen und disziplinierten Menschen. Sie ist schlank, trainiert und eine Aura umgibt sie, die jeden dazu bringt, höchste Achtung vor ihr zu haben. Masha hat das Cleansing Programm konzipiert. Die Teilnehmer sollen damit an ihre persönlichen Grenzen stoßen, diese durch die extremen Methoden überwinden und das Resort nach 10 Tagen als starke Persönlichkeiten verlassen.

„Sie sind eine Frau in der Blüte Ihres Lebens! Sie sollten jeden Raum mit hocherhobenem Kopf betreten! Wie eine Bühne! Wie ein Schlachtfeld!“

Seite 243

Am Ende erfahren wir, woraus Masha ihre Stärke nimmt und begreifen, dass diese übermäßige Stärke nach außen hin,  die Schwäche in ihrem Innersten verbirgt.

„Sie war eine Frau, so stark, dass sie Berge versetzen konnte. Sie war eine Frau, so schwach wie ein Kind.“

Seite 521

Der Handlungsverlauf ist zu Beginn eher schleppend und darauf konzentriert die Hintergründe zu beschreiben.  Die Wellnessbehandlungen sind zu diesem Zeitpunkt nicht sehr außergewöhnlich (gesunde Ernährung, Achtsamkeit, Meditation, medizinische Kontrollen). Mit dem Ende der Schweigephase beginnt jedoch der skurrile Part. Die Methoden werden immer dubioser, trotz aller Absurdität entsteht eine gewisse Spannung und man will unbedingt wissen, zu welchen Ergebnissen die Behandlungen, wie das heimliche Untermengen verbotener Substanzen wie LSD, letztendlich führen. Spannend waren für mich auch die menschlichen Abgründe, die sich im Rahmen des Retreats aufgetan haben, aber auch die Kraft, die die Teilnehmer zusammen aus der Erfahrung schöpfen konnten. In diesem Zusammenhang hat mir ein Zitat besonders gut gefallen:

„Egal wie schmal das Tor, wie groß, wie viel Bestrafung ich auch zähl. Ich bin der Meister meines Los´. Ich bin der Käpt´n meiner Seel.“

Seite 274

Unbemerkt werden die Gäste im Yoga-Raum eingesperrt und erfahren Sinnestäuschungen und Halluzinationen. Konfrontiert mit unverarbeiteten Geschehnissen und dem klaustrophobischen Gefühl eingesperrt zu sein, entwickelt sich eine unvorhersehbare Dynamik.

Fazit

Ich kannte die Autorin  bislang noch nicht und war deshalb umso gespannter auf die Lektüre. Liane Moriarty schreibt in einem einfachen fließenden Schreibstil, der mich sofort fesseln konnte. Der Klappentext lässt viel Raum für Spekulationen und dennoch wurde ich vom Verlauf der Story überrascht. Insgesamt konnte mich das Buch als leichte Lektüre zwischendurch überzeugen.

Leider waren mir die Protagonisten allesamt zu klischeehaft, die Geschichte zu Beginn zu langatmig und zum Ende hin etwas zu überspitzt. Der Schluss hat mir wiederum sehr gut gefallen und hat die außergewöhnliche Geschichte gut abgerundet.

(Verfasst von Manuela)

–> dieser Titel wurde von Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

Buchinformationen

 Liane Moriarty - "Neun Fremde", Diana
Verlag, 527 Seiten, ISBN: 978-3-453292345

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